Weblog Marc Peschke

20. Juli

 

Überraschend, heterogen, inspirierend
Das war der Wiesbadener Kunstsommer

Mehr als zwei Monate hatten wir Zeit, uns mit Kunst aus neun Partnerstädten zu beschäftigen. Jetzt heißt es, Abschied zu nehmen. Von den Kunstwerken auf der Schwalbacher Straße – von den Begegnungen mit den Partnerstädten. Es war eine spannende Zeit, doch tatsächlich alles andere als eine sichere Nummer.

Die Kunst hatte diesmal ein bisschen zu leiden. Es gab Störungen durch Baustellen und Wahlplakate, durch Vandalismus und Sturmschäden, die doch immer schnell ausgebessert werden konnten – Dank der Interessengemeinschaft der Galerien, die den Kunstsommer „Neun Brücken schlagen“ organisiert hatte. Und es wurden Brücken geschlagen: Die Lust, die Wiesbadener Partnerstädte vollzählig zu besuchen, ist größer geworden, nach den vielen Veranstaltungen im Kunsthaus, wo die Partnerstädte genauso wie die Künstler vorgestellt wurden. Der Kunstsommer war in diesem Jahr ein Sommer der Partnerstädte, ein internationales Kulturprojekt, das neugierig machen sollte – was auch gelungen ist.

Die Abschlussveranstaltung am Samstag im Kunsthaus brachte noch einmal viele Menschen zusammen. Oberbürgermeister Sven Gerich und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz sprachen für die Stadt, Gottfried Hafemann und Christine Rother für die Interessengemeinschaft der Galerien in Wiesbaden - gezeigt wurde auch eine Filmdokumentation über den Kunstsommer. Mit einem hessischen Buffet und einer musikalischen Reise durch die Partnerstädte endete der Kunstsommer in diesem Jahr.

Doch einiges wird bleiben: viele Erinnerungen, aber auch künstlerische Arbeiten: Die Stadt Wiesbaden wird mit Unterstützung privater Sponsoren, des Partnerschaftsvereins Istanbul-Fatih und des Vereins „pro arte publica“ die Arbeit von Nilhan Sesalan ankaufen. Ebenfalls bleiben wird Eric Kressnigs Werk „Centrum“ in der Mauer der Elly-Heuss-Schule – eine Schenkung des Künstlers. Zudem bemüht sich der Partnerschaftsverein San Sebastián derzeit um den Ankauf des so beliebten Ahorn-Samens von Pilar Soberon. Es wäre wunderbar, wenn auch diese Arbeit in Wiesbaden bleiben könnte.

Der öffentliche Raum der Schwalbacher Straße war in diesen Wochen ein anderer. Man wird die Straße von nun an immer auch mit den Kunstwerken und Künstlern in Verbindung bringen, die hier im Jahr 2014 temporär installiert waren – eine schöne Vorstellung. „Können sich die Kunstwerke der Künstler aus neun Wiesbadener Partnerstädten an diesem Ort des grellen visuellen Durcheinanders durchsetzen?“ Das war eine Frage, die am Anfang des Kunstsommers stand. Sie konnten. Der Kunstsommer 2014 war ein überraschendes, heterogenes, inspirierendes Projekt.

13. Juli

 

Pilar Soberon & San Sebastián im Kunsthaus

Am gestrigen Samstag stellte sich der 1983 gegründete Partnerschaftsverein Wiesbaden – San Sebastian e. V. im Kunsthaus vor. Es sprach der Vorsitzende Armin Klein. Ziel ist die Förderung des Austausches und der Freundschaft zwischen den Einwohnern der Städte San Sebastián und Wiesbaden. Danach sprach Christine Rother über die Künstlerin Pilar Soberon - es wurde auch ein Film über San Sebastiàn gezeigt. Abschließend führte die Künstlerin selbst in ihr Werk ein.

„AEOLIA`S Park“, das Kunstwerk von Pilar Soberon, weist auf die von der Künstlerin empfundene Trennung deutscher und türkischer Kultur in der Schwalbacher Straße hin. Sie sagt: „Beide kulturellen Welten brauchen eine Verbindung, etwas, das sie gemeinsam haben, einen Bezug, der ihre Verbindung offenbart. Gold ist in beiden Kulturen präsent – zum Beispiel in der Ornamentik, oder, am Ende der Straße, in den drei goldenen Kuppeln der Griechischen Kapelle.“ Ihre Arbeit macht das Gold zum Thema: „Sie zeigt den goldenen Samen des Ahorn, Aeolia, der aus San Sebastian herüberfliegt, um auf den Boden in Wiesbaden, der Partnerstadt, zu fallen und seine Energie in der Schwalbacher Straße sichtbar werden zu lassen.“ Pilar Soberon wurde 1971 in San Sebastián geboren. Sie studierte an der Kunstakademie Universidad del País Vasco und lebt heute in ihrer Heimatstadt.

San Sebastián (baskisch: Donostia) ist die Hauptstadt des Baskenlands. 2016 ist San Sebastián die Kulturhauptstadt Europas – doch schon ihre Erscheinung zwischen Felsmassiven an der Bucht „La Concha“ ist etwas Besonderes. Eine wunderbare Strandpromenade lädt zum Spaziergang ein – in milden Wintern und vergleichsweise kühlen Sommern. Auch hier gibt es ein weltberühmtes Casino – in dem Mata Hari, Leo Trotzki und Maurice Ravel ihr Glück versuchten.

Die Stadt mit ihren 180.000 Einwohnern – seit 1981 mit Wiesbaden verbunden – gehört zu den schönsten in Spanien: Die wie ein Schachbrett im frühen 19. Jahrhundert angelegte Altstadt, das Rathaus, die Kathedrale Buen Pastor, das Teatro Victoria Eugenia oder der Palacio Miramar sind architektonische Höhepunkte. Auch die baskische Küche hat einen bemerkenswerten Ruf. Was hessische Gäste begeistern wird: Hier wird im Herbst besonders gerne „Sidra“ – Apfelwein – getrunken. Berühmter Sohn der Stadt ist Eduardo Chillida – man kann einige Arbeiten von ihm im Stadtraum bewundern.

7. Juli

 

Royal Tunbridge Wells und Jane Pitt im Kunsthaus

 

Mit seinen etwa 56.000 Einwohnern ist das im Südosten Englands, in Kent gelegene Royal Tunbridge Wells ein Kurort der charmanten Art. Seine Entstehung verdankt der Ort der Entdeckung von eisenhaltigen Quellen im 18. Jahrhundert – bald kurte hier die feine Gesellschaft Londons. 1909 wurde Tunbridge Wells „Royal“ und ist es bis heute geblieben. Seit 1989 ist Royal Tunbridge Wells eine Partnerstadt von Wiesbaden.

Hier kann man beschaulich über die Kurpromenade spazieren, in Quellen baden, berühmte Holzmosaiken bestaunen, Ausflüge in die hübsche Hügellandschaft unternehmen – oder darüber sinnieren, wie ein solches Städtchen zur Wiege des Punk werden konnte. Shane MacGowan von den Pogues und Sid Vicious von den Sex Pistols wurden hier geboren.

Am Samstag stellte sich Royal Tunbridge Wells im Kunsthaus vor. Es gab Cup Cakes und Hochheimer Wein. Die Vorsitzende des Partnerschaftsverein, Christine Laubach, stellte die Arbeit des Vereins und die Partnerstadt vor - danach erläuterte die Künstlerin Jane Pit ihre Soundcollage in der Schwalbacher Straße. Zum Abschluss waren die Gäste eingeladen, selbst Teil einer Perfomance zu werden!

 

29. Juni

 

Montreux und Olivier Estoppey im Kunsthaus

Das Schweizerische Montreux ist die wohl mondänste Partnerstadt Wiesbadens – schon seit 1953. Nur 25.000 Einwohner hat es, liegt am Genfersee und verfügt nicht nur über subtropische Vegetation mit Pinien, Palmen und Zypressen sondern besitzt auch einen unvergleichlichen Blick auf die 2000 Meter hohen Berggipfel der Waadtländer Alpen. Hier lässt es sich leben – reichlich teuer in noblen Traditionshotels der Belle Epoque. Einmal im Jahr wird die Stadt zum Jazz-Mekka beim Montreux Jazz Festival.

An der Seepromenade von Montreux fühlten sich Monarchen, Aristokraten oder auch Künstler wie Leo Tolstoi, Freddie Mercury, Charlie Chaplin, Jean-Jacques Rousseau, Lord Byron und Vladimir Nabokov wohl – das Musée de Montreux, das Schweizerische Museum für Ton und Bild und das Maison Visinand begeistern Kulturfreunde. Drei Kilometer entfernt befindet sich das wundervolle Schloss Chillon – die Weinterrassen des Lavaux gehören zum UNESCO-Welterbe.

Am Samstag stellte sich die Partnerstadt Montreux im Kunsthaus vor. Die in Montreux lebende Autorin Ulrike Blatter las aus ihrem Werk, das High Fly Jazz Quartet spielte, dazu gab es köstlichen Wein und Käse aus der Schweiz.

Und die Bildende Kunst kam auch nicht zu kurz: Der Kunstsommer-Künstler Olivier Estoppey wurde durch das mit Montreux eng verbundene Ehepaar Stockhausen und den Schweizer Förderer Ulrich Stoll vorgestellt - auch ein Film über die Kunstbiennale von Montreux wurde gezeigt.

 

Olivier Estoppey - Schöpfer der "Schlafenden" am Faulbrunnen - wurde 1951 im Kanton Vaud geboren. Er studierte an der Ecole cantonale des beaux-arts in Lausanne. Heute lebt und arbeitet er in Ollon.

 

23. Juni

 

Ada Moran Riess aus Kfar Saba stellte sich im Kunsthaus vor

Bei der bereits sechsten Veranstaltung am Sonntag im Kunsthaus stellte sich Ada Moran Riess aus der israelischen Stadt Kfar Saba vor. Die 1903 gegründete Industriestadt mit etwa 90.000 Einwohnern liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich von Tel Aviv an der Grenze zum Westjordanland. Seit 1979 ist Kfar-Saba die Partnerstadt von Wiesbaden.

Die Künstlerin hat im Rahmen des Kunstsommers die Arbeit "Both sides of the divide“ realisiert. Das Werk wurde durch die Architektur der Straße beeinflusst, sagt Ada Moran Riess, die 1956 geboren wurde und an der Betzalel-Academy of Art and Design in Jerusalem sowie an der Academy of Sculpture and Wood Carving in Tel-Aviv studiert hat. Im Kunsthaus hielt sie einen Vortrag über ihre Arbeiten - und ihre sehr besonderen Vorstellungen einer zeitgenössischen Land- bzw. Material Art. Ein guter Wein aus Israel und andere Köstlichkeiten machten den Nachmittag zu einem weiteren Höhepunkt des Kunstsommers.

16. Juni

 

Eric Kressnig (und die Partnerstadt Klagenfurt) stellten sich im Kunsthaus vor

 

Klagenfurt am Wörthersee, die Hauptstadt Kärntens, hat knapp 100.000 Einwohner und betont erst seit wenigen Jahren schon im Namen, dass es am Wörthersee liegt. Man verspricht sich etwas davon, im Tourismus-Marketing. Kunstinteressierte kennen das Kärntner Landesmuseum, die Stadtgalerie, Dom, Diözesanmuseum und das Museum Moderner Kunst Kärnten – Literaturinteressierten ist das jährliche Spektakel um den Ingeborg-Bachmann-Preis nicht fremd. Eine schöne Renaissance-Altstadt und einen Flughafen hat die Stadt auch – und freut sich über Besucher aus ihrer deutschen Partnerstadt Wiesbaden, der Klagenfurt bereits seit 1930 verbunden ist. Wer nach Klagenfurt reisen mag, der sollte auf jeden Fall ein Buch ins Gepäck legen, nämlich Ingeborg Bachmanns „Jugend in einer österreichischen Stadt“.

Am Samstag stellte sich Klagenfurt nun im Kunsthaus vor. Da es aber leider keinen aktiven Partnerschaftsverein gibt, war es dem Galeristen und Wahl-Vorarlberger Erhard Witzel überlassen, die Stadt und den Kunstsommer-Künstler Eric Kressnig vorzustellen. Es war ein schöner Nachmittag - bei dem vor allem die Arbeitsweise Kressnigs Thema war.

Kressnig wurde 1973 in Klagenfurt geboren. Er studierte Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er heute lebt und arbeitet. Eric Kressnig: „Ich verfolge die Charakteristika der Sprache, der Architektur und des Materials und thematisiere einerseits strukturelle Gegebenheiten, wie sie vor Ort erscheinen, andererseits transformierte ich ortsspezifische Begriffe skriptural in eine wandelbare Systematik.“ Es ist stets dieser konzeptuelle Ansatz, der seine Arbeiten auszeichnet.

 

13. Juni

 

Olivier Estoppeys "Schlafende" am Faulbrunnen

 

Olivier Estoppeys "Schlafende" am Faulbrunnen ist ein Werk, dass immer mehr Freunde findet. Die Galeristin Christine Rother wurde vor kurzem bei einer Führung von einem Mann angesprochen, der ihr sagte, die Schlafende sei seine "Freundin". Er ließ sich freudig fotografieren. Schön: Die "Schlafende" von Estoppey hat schon ihre Betreuer gefunden!

Olivier Estoppey über seine Skulptur: „Nach meinem Besuch in Wiesbaden habe ich mit dem Material, welches ich dort gefunden habe, gearbeitet: Bilder, Zeichnungen, Beobachtungen, Eindrücke. Ich fühlte mich der Straße verbunden, dem Strom, der Bewegung, den Menschen, dem Ort. Ich habe dem vorgeschlagenen Thema entsprochen durch die Straße, durch die Kurven, die Positionierung der Skulptur, den Ausdruck, die Begegnung, den Moment, die Überraschung, den Kontakt, die Präsenz, die Sache selbst.“ Olivier Estoppey wurde 1951 im Kanton Vaud geboren. Er studierte an der Ecole cantonale des beaux-arts in Lausanne. Heute lebt und arbeitet er in Ollon.

 

7. Juni

 

Der Partnerschaftsverein Naurod-Fondettes e.V. stellte sich im Kunsthaus vor

 

Dieser Kunstsommer ist sehr besonders! Vor allem ist es auch die Arbeit der Partnerschaftsvereine, die ihn so außergewöhnlich macht. Die überaus gut besuchte Präsentation des 1976 gegründeten Partnerschaftsvereins "Naurod-Fondettes e.V." und der Künstlerin Laureance Dreano gestern im Kunsthaus beleuchtete die Geschichte einer deutsch-französischen Städtepartnerschaft, die in Naurod von 200 Mitgliedern überaus aktiv gepflegt wird. Besuchsfahrten von Erwachsenen- und Jugendgruppen, Veranstaltungen, Boule-Turniere, Sprachkurse - das ist gelebte Freundschaft und Völkerverständigung. Wer mehr über die Arbeit des Vereins erfahren möchte: www.naurod-fondettes.eu

 

6. Juni

 

Die Partnerstadt Fondettes und Laurence Dreano morgen im Kunsthaus

Die französische Kleinstadt Fondettes, ganz in der Nähe von Tours, ist seit 1977 mit Naurod partnerschaftlich verbunden. Im späten 15. Jahrhundert wurde die Burg Châtigny gebaut, doch wurden hier auch Reste einer Villa aus dem 3. Jahrhundert gefunden. Rund um die Kirche Saint-Symphorien kann man Hotels und Restaurants entdecken, in denen man neben Val de Loire-Wein, Crémant de Loire auch Rillettes de Tours probieren sollte. Fondettes ist ein guter Ausgangspunkt für Schlösser-Fahrten durch die landschaftlich sehr reizvolle Touraine.

Am Samstag, den 7. Juni von 14 bis 17 Uhr, stellen sich Fondettes, der Partnerschaftsverein und die Künstlerin Laurence Dreano im Kunsthaus vor. Das Programm ist reichhaltig: Zu Gast ist unter anderem der Bürgermeister von Fondettes. Die Partnerschaft zwischen Naurod und Fondettes wird ein besonderes Thema sein, Spezialitäten aus der Touraine und Live-Musik runden den Nachmittag ab.

 

1. Juni

 

Nilhan Sesalan heute im Kunsthaus

 

 

Türkisches Essen, türkische Disco, ein Jazzkonzert, eine Filmdokumentation des türkischen Fernsehens über die Istanbuler Künstlerin Nilhan Sesalan - und ein Gespräch mit ihr: All das gab es bei der Veranstaltung im Kunsthaus heute zu bestaunen, zu erleben. Der Kunstsommer ist vielfältig - es tut sich viel. Und wunderbar, dass die Veranstaltungen bisher immer so gut besucht sind!

 

31. Mai

 

Die Partnerstadt Fatih und Nilhan Sesalan morgen im Kunsthaus


Fatih ist ein Stadtteil auf der europäischen Seite Istanbuls und erst seit 2012 Partnerstadt von Wiesbaden. Fast 450.000 Menschen leben hier. Fatih gilt als besonders frommer Stadtteil – die große Fatih Moschee, erbaut seit dem 15. Jahrhundert, prägt Fatih noch immer. Ein Besuch wäre auf einen Mittwoch zu legen, denn das ist hier traditionell der Markttag. Die historische Altstadt von Fatih zwischen Eminönü und der Theodosianischen Landmauer lohnt einen Rundgang mit ihren vielen historischen Bauten, Museen und Basaren. Touristische Höhepunkte sind die Sultan-Ahmed-Moschee, die Süleymaniye-Moschee, die Rüstem-Paşa-Moschee, die Beyazit-Moschee, der Topkapi-Palast, die ehemalige Kathedrale Hagia Sophia und die Stadtmauer.

Am Sonntag, den 1. Juni ab 16 Uhr stellt sich die Partnerstadt Fatih im Kunsthaus mit einem üppigen Programm vor – mit dabei ist auch die Künstlerin Nilhan Sesalan!

26. Mai

 

Breslau/Wrocław und Tomasz Opania beim Kunstsommer

 

Das niederschlesische Breslau hat über 600.000 Einwohner und einen Flughafen: Wer dort ankommt und durch die Stadt an der Oder schlendert, der ist angetan: Die Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2016 ist eine grüne Stadt mit einer zum Teil sehr behutsam restaurierten Altstadt – der Stare Miasto. Breslau (polnisch: Wrocław) besitzt vor allem einige phantastische Bauten aus jüngerer Zeit, wie etwa die 1913 errichtete Jahrhunderthalle von Hans Berg, die seit 2006 zum UNESCO-Welterbe zählt – ein früher, riesiger Stahlbetonbau.

Überhaupt: Beste Architektur kann man hier sehen, Bauten von Hans Poelzig, Erich Mendelsohn, Fritz Behrendt oder Hans Scharoun – darunter Schlüsselbauten der Moderne. Mehr als 20 Museen laden zum Kunstgenuss ein – und im Mai gibt es stets ein „Festival des guten Bieres“!

Am vergangenen Samstag stellte sich Breslau nun im Kunsthaus Wiesbaden vor - und der ausstellende Künstler Tomasz Opania hatte sich etwas sehr Besonderes für die Veranstaltung überlegt: Mit Hilfe des Publikums "baute" er ein System aus "Wiesbadener Drehkreuzen", die es zu Durchschreiten galt, um die Ausstellungsräume zu betreten. In einem bebilderten Vortrag stellte er seine Kunst vor - und schließlich gab es auch einen Auftritt des berühmten Breslauer Pantomimetheaters. Auch diese Veranstaltung war wieder sehr gut besucht!

17. Mai

 

Berlin-Kreuzberg und JayBo Monk beim Kunstsommer


Dieser Kunstsommer ist auch der Kunstsommer der Partnerstädte. Berlin-Kreuzberg im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist mit seinen etwas über 150.000 Einwohnern eine eher kleine „Partnerstadt“. Dafür aber reichlich legendär: Man ist versucht, Kreuzberg in Schlagworten zu beschreiben. Und das machen wir auch mal: Gentrifizierung, Kulturleben, SO 36, Alternativkultur, Partyszene, Dichtestress, Mietskasernen, Hausbesetzer, Gastarbeiter, Migration, Checkpoint Charlie, Berlinische Galerie, Tempodrom, Jüdisches Museum, Martin-Gropius-Bau, Kreativszene, Urbanität, Landwehrkanal, Vielfalt, Touristen. Und immer mehr Touristen. Und immer mehr. Wohin geht Kreuzberg?

Heute haben sich Kreuzberg und der Kreuzberger Künstler JayBo Monk im Kunsthaus vorgestellt. Zwar gab es keinen "Kreuz-Neroberger" zu trinken (1968 schenkte die Partnergemeinde Wiesbaden dem Bezirk Kreuzberg die ersten Weißweinstöcke, seitdem wächst der „Kreuz-Neroberger“ in einer Gärtnerei in der Methfesselstraße), dafür aber herrlichen Riesling Kabinett vom Wiesbadener Weingut Höhn. Höhepunkt der Veranstaltung war die Live-Kunst-Performance von JayBo Monk, der innerhalb einer Stunde vor den Augen des Publikums eine Arbeit entstehen ließ, die alle tief beeindruckte: eine kapitolinische Lupa, die Wölfin, die der römischen Mythologie zufolge Romulus und Remus säugt.

Ich war verwundert, mit welcher Ruhe und Gelassenheit JayBo vor dem Publikum arbeitete. Alles nur äußerlich, sagte mir der sympathische Künstler später. Man kann nur hoffen, dass die Arbeit als Erinnerung an den Kunstsommer und JayBos Wölfe ihren Weg in eine Wiesbadener Sammlung finden wird.

 

11. Mai

 

Der Kunstsommer ist eröffnet!

 

Gestern Abend wurde der Kunstsommer Wiesbaden in Anwesenheit aller Künstlerinnen und Künstler im Kunsthaus eröffnet! Die Ausstellung dort begleitet die Arbeiten in der Schwalbacher Straße. Ein "dreidimensionaler Ausstellungskatalog", wie der Wiesbadener Galerist und Mitinitiator Gottfried Hafemann sagt. Mich beeindruckte die luftige, assoziative Präsentation verschiedener Arbeiten und Vorstudien zu den Projekten in der Schwalbacher Straße. Ein schöner Einblick in die Genese des Kunstsommers.

 

7. Mai

 

Eröffnung des Wiesbadener Kunstsommers am 10. Mai um 17 Uhr


Am Samstag, den 10. Mai um 17 Uhr, geht es endlich so richtig los! Der Kunstsommer wird im Kunsthaus am Schulberg durch Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz eröffnet. Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind anwesend. Nach der offiziellen Eröffnung gibt es eine erste Führung durch den Skulpturenparcours auf der Schwalbacher Straße. Journalisten sind bereits ein Tag vorher, am 8. Mai um 14.30 Uhr, zur Pressekonferenz ins Kunsthaus geladen.

30. April

 

All waters of the earth interwine - Nilhan Sesalan

 

Nun steht auch die letzte Arbeit des Kunstsommers! Nilhan Sesalans Werk, über das die in Istanbul lebende Künstlerin sagt: "Ich habe das Wasser getrunken von dem Brunnen in meinem Geburtshaus welches wir jetzt 'alt' nennen / sie küssen sich wie ein Mann und eine Frau, Tag und Nacht, ein ewig währender Kreislauf / Bewegung des Lebens ..." Schauen wir mal genauer hin. Was erzählt uns diese Arbeit?

 

29. April

 

Der Aufbau ist (fast) fertig!

 

Heute morgen wurde mit der Aufstellung der beiden Skulpturen "Homo optimictus in the city“ der französischen Künstlerin Laurence Dreano der Aufbau des Kunstsommers (fast) vollendet. Nur Nilhan Sesalans Arbeit wartet noch auf die Verankerung. „Meine Installation … symbolisiert eine Brücke, auf der zwei identische Skulpturen in einer Geste des Willkommens einander zugewandt sind“, so Dreano. „Beide sehen gleich aus, behalten ihre eigene Sprache und ihre Identität. Ihre Haut ist mit Gedichten übersät, die als universelle Emotionen, Geschichte und Menschen verbinden. Die Installation hat zwei Ebenen: Sie ist Skulptur und Schriftstellerei zugleich – zwei Themen, mit denen ich mich seit über 10 Jahren beschäftige.“ Eine Brücke unter der Brücke des Luisenforums - vom Verkehr umtost. Ob sich die beiden Figuren hier wohl fühlen? Wir halten Sie auf dem Laufenden!

 

28. April

 

Von Wölfen und Menschen

 

Der Wolf ist in der Bildenden Kunst ein immer wiederkehrender Topos - man denke etwa an die vermutlich etruskische Bronzefigur der "Kapitolinischen Wölfin". Der Sage nach säugte diese Wölfin die Gründer Roms, Romulus und Remus. Immer mehr Wölfe des Bildhauers Jaybo Monk tummeln sich derzeit auch in Wiesbaden - rund um die Schwalbacher Straße. Heute wurde wieder ein solches Prachtexemplar gesichtet! (mp)

 

27. April

 

Das Unheimliche im Untergrund

 

„Sound Portral“, der Beitrag von Jane Pitt, ist eine Klangskulptur, die sich schlangengleich windet und Geräusche einfängt. Es sind sonderbare Stimmen und Sounds, die wir da hören: ein Tropfen, ein Tröpfeln, ein Singsang. Surreal, geheimnisvoll, unheimlich. Jane Pitts Werk weist auf das Unheimliche im Untergrund hin, der doch auch Ort der heilsamen Quellen ist, welche die Kurbäder Wiesbaden und Royal Tunbridge Wells auszeichnen. Unter uns ist immer Wasser – auch daran erinnert das Kunstwerk.

26. April

 

Die Wölfe sind da!

 

100 verschiedene Nationen leben rund um die Schwalbacher Straße. Die Installation „The wolves“ von Jaybo Monk nimmt auf rätselhafte Weise den Gedanken auf, wie schwer es ist, den Ort der Geburt zu verlassen und sich an einem anderen Ort zu integrieren. Seine Wolf-Skulpturen aus Holz, Bauschaum und Latex ziehen als Rudel die Schwalbacher Straße hinauf bis zum Kunsthaus. „Sie tragen den Ballast ihre Kultur mit sich – bis zur Erschöpfung. In der Halle wird ihre letzte Transformation zu sehen sein“, sagt der 1963 in Frankreich geborene Street- und Urban Art-Künstler, der seit 1985 in Berlin lebt - und heute mit dem Aufbau seiner Arbeit beschäftigt ist.

Jaybo Monk hat in vielen Bereichen gearbeitet, hat sich mit Mode und Musik befasst, hat die Zeitschrift „Style and the Family Tunes“ und ein Streetwear-Label ins Leben gerufen – hat sich festgelegt, nicht festgelegt zu sein. Doch in einem ist er sich sicher: „Ich möchte durch und durch Künstler sein, denn für mich hat Kunst nichts mit Techniken oder einem bestimmten Stil zu tun, sondern sie ist etwas, das ich zum Atmen und Frei-Sein brauche“, so Jaybo Monk.

 

25. April

 

Ein CENTRUM für Wiesbaden!

 

Wiesbaden hat ein neues "CENTRUM"! Eric Kressnigs kreisförmiges Fenster zum Schulhof der Elly-Heuss-Schule ist von irritierender Wirkung. Ein geheimnisvolles, blaues Glas gibt Einblick in das, was sonst verborgen bleibt. Die Arbeit steht symbolhaft für den ganzen Kunstsommer - es geht hier um Trennung, aber auch um (zumindest temporäre) Durchlässigkeit. Eric Kressnig sagt: „Ich verfolge die Charakteristika der Sprache, der Architektur und des Materials und thematisiere einerseits strukturelle Gegebenheiten, wie sie vor Ort erscheinen, andererseits transformierte ich ortsspezifische Begriffe skriptural in eine wandelbare Systematik.“

 

Grell und zerbrechlich

 

Gestern war da nur ein Sockel. Heute ist die Arbeit von Ada Moran Riess aufgestellt. "Both sides of the divide" ist grell und zerbrechlich. Das Werk zeigt uns: Das ist kein Widerspruch.


24. April

 

Aufbau

 

Überall wird heute (bei steigenden Temperaturen) ziemlich hart an der Kunst gearbeitet. Jane Pitts "Sound Portal" ist noch verhüllt, aber Pilar Soberons "AEOLIA'S Park" entfaltet seine fragile Schönheit bereits auf der Schwalbacher. Und auch Eric Kressnigs Arbeit "CENTRUM" ist im Entstehen. Doch vor die Kunst kommt auch hier der Schweiß: Arbeiter haben die Mauer der Elly-Heuss-Schule fachgemäß "aufgeschnitten". Morgen sehen wir vielleicht schon mehr ...

 

23. April

 

Ein Sockel für Ada Moran Riess

 

Der Sockel ist schon da. Und wartet auf die Skulptur „Both sides of the divide“ der israelischen Künstlerin Ada Moran Riess. Die Skulptur, so kündigt sie an, sei durch die Architektur der Straße beeinflusst. Noch ist davon nichts zu sehen. Doch wer weiß? Vielleicht gibt es morgen schon etwas zu entdecken?

22. April

 

Aufbau Tomasz Opania

 

Die Arbeit von Tomasz Opania wird gerade in der Schwalbacher Straße aufgebaut. Ich schaue mir das an - und treffe den Künstler und den Wiesbadener Galeristen Gottfried Hafemann, der Opania schon länger kennt. „Liebe auf Deutsch und andere Sachen“ nannte Opania eine Ausstellung, die vor 10 Jahren im Bellevue-Saal in Wiesbaden zu sehen war. Gottfried Hafemann hielt damals die Einführung in das Werk des 1970 in Gliwice geborenen Künstlers, der an der Breslauer Kunstakademie studiert hat.

 

„Hi Honey“ heißt die Skulptur, an der Opania gerade werkelt - sie im Boden verankert. Man kann sie durchschreiten, diese 23 Metallrahmen. Am Ende landet man fast auf der Schwalbacher Straße und könnte die Hand zum Gruß heben: Hi Honey, Hallo Welt, hier bin ich! Mehr noch als das Werk, ist es der Betrachter, der diese Kunst entstehen lässt, sagt der Künstler. „Die Skulptur kann dezent und freundlich, aber auch gefährlich und bedrohlich sein.“ Das ist eine schöne Idee: eine mal freundliche, dann gefährliche Skulptur, die mehr über den Betrachter verrät, als über sich selbst. Und natürlich über die Flüchtigkeit des Augenblicks.

22. April

 

Aufbau

 

Das Osterfest ist vorbei – der Kunstsommer nimmt nun Fahrt auf. In dieser Woche steht der Aufbau der Arbeiten auf dem Programm. Die Künstler aus neun Partnerstädten Wiesbadens sind anwesend – arbeiten an ihren Objekten und Installationen. Was vorher Idee war, wird jetzt Wirklichkeit. Ich werde in den nächsten Tagen immer mal wieder in der Schwalbacher Straße sein, um zu schauen, was gerade passiert. Vielleicht haben Sie auch Lust, den Kunstsommer von Anfang an zu verfolgen?

 

15. April

Alles andere als sicher.

Der Kunstsommer wird spannend.

9 ist die magische Zahl in diesem Kunstsommer. „9 Brücken schlagen“ ist das Motto. „9 Künstler – 9 Kunstwerke – 9 Städte – 9 Länder“ sind zu Gast in Wiesbaden. Gemeinsam mit dem Kulturamt veranstaltet die Interessengemeinschaft der Galerien den Wiesbadener Kunstsommer 2014 – an einem Ort, der kein Ort der Kunst ist: Auf der Schwalbacher Straße bis hoch zum Schulberg wird sich ein temporärer Skulpturenparcours entwickeln. Neun künstlerische Arbeiten sind zu sehen. Im Kunsthaus findet eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, bei denen sich auch die Partnerstädte vorstellen.

Die Schwalbacher Straße ist ein Ort, der lebhaft ist. Die Kulturen sind vielfältig. Ein Ort, an dem sich Urbanität bisweilen zu Stress verdichtet – der viele hässliche Ecken hat. Ein Ort, an dem sich Wiesbaden alles andere als mondän oder gutbürgerlich zeigt. Können sich die Kunstwerke der Künstler aus neun Wiesbadener Partnerstädten an diesem Ort des grellen visuellen Durcheinanders durchsetzen? Können sie auf sich aufmerksam machen? Die Ausstellung verspricht spannend zu werden, weil man genau das eben nicht weiß. Sie ist keine sichere Nummer – alles andere als das. Sie wird zu Diskussionen anregen – über die Veränderung in Städten, über Architektur, über Integration, über das Miteinander. Über das, was uns umgibt.

Ich wurde von den Veranstaltern eingeladen, über die Ereignisse in diesem Kunstsommer in kurzen Texten zu berichten. In diesem Blog, aber auch auf der Facebook-Seite des Kunstsommers. Mein Interesse gilt dabei dem öffentlichen Raum als einem Ort der Veränderung, des Kommerzes, der Lautstärke, aber auch der Kommunikation und des Müßiggangs. Ich bin gespannt, wie die neun Künstler die sehr spezielle Situation auf der Schwalbacher Straße reflektieren werden.

Die Qualität von guter Kunst liegt, wie ich finde, gerade auch darin, Menschen visuell zu überraschen, die sich jenseits des Kunstbetriebs bewegen. Ihnen, allen Wiesbadenern und allen Gästen wünsche ich in diesem Sommer schöne Erfahrungen.

Marc Peschke

Marc Peschke, geboren in Offenbach am Main, arbeitet als Kunsthistoriker, Kulturjournalist und Künstler. Er lebt in Wiesbaden und Hamburg.

Infos:

info@marcpeschke.de

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